Ein Schulplatz für Krishna in Kathmandu

In den engen Gassen von Kathmandu lernte die Maya-Nepalhilfe den kleinen Krishna und seine Mutter kennen. Beide leben auf engstem Raum in einem einzigen Zimmer. Obwohl die Mutter als Reinigungskraft hart arbeitet, reichen Miete und Lebenshaltungskosten kaum zum Überleben – für Schulgebühren oder feste Schuhe blieb bisher kein Geld.

Es sind oft die kleinen Begegnungen, die das Herz am tiefsten berühren und uns zeigen, warum unsere Arbeit bei der Maya-Nepalhilfe so wichtig ist. In den staubigen, lebhaften Gassen von Kathmandu haben wir Krishna und seine Mutter kennengelernt. Ihre Geschichte ist eine von vielen in Nepal, und doch ist sie ganz besonders. Sie erinnert uns daran, dass ein Schulplatz für Krishna nicht nur den Besuch eines Unterrichts bedeutet, sondern den ersten Schritt in eine völlig neue Zukunft.

Ein Zimmer, zwei Leben und ein großer Traum

Wenn man das Zuhause von Krishna und seiner Mutter betritt, wird man sofort still. Die beiden bewohnen ein einziges, kleines Zimmer, das gleichzeitig Schlafzimmer, Küche und Wohnraum ist. Es ist eng, aber liebevoll gepflegt. Die Realität der Armut wird hier jedoch schmerzhaft deutlich: Die einzige Toilette des gesamten Hauses wird von allen Bewohnern des Hauses benutzt und befindet sich im Außenbereich und ist nur über den Hof über einen dunklen Gang erreichbar.

Krishna mit seiner Mutter und seine einzigsten“Schuhe“ die er hatte.

Krishnas Mutter ist eine beeindruckende, starke Frau. Sie arbeitet hart als Reinigungskraft, um das Überleben für sich und ihren Sohn zu sichern. Doch in einer Stadt wie Kathmandu fressen die Kosten für Miete und Lebensmittel fast das gesamte Einkommen auf. Für Extras bleibt nichts übrig – und Bildung gilt in Nepal leider oft als Luxusgut.

Eigentlich wäre Krishna bereits im zweiten Schuljahr. Doch bisher blieb die Schulpforte für ihn verschlossen, weil das Geld für die Gebühren schlichtweg nicht vorhanden war. Wenn man Krishna in seinem Zimmer sieht, spürt man die Sehnsucht nach Veränderung. Sein einziges Paar Schuhe? Einfache Plastikschlappen, die er für jeden Weg nutzt, egal ob es regnet oder die Sonne brennt.

Der erste Schritt in die Siddha Ganesh Secondary School

Für uns war klar: Wir möchten hier ansetzen. Ein Schulplatz für Krishna muss Realität werden. Gemeinsam mit seiner Mutter machten wir uns auf den Weg zur Siddha Ganesh Secondary School im Stadtteil Sorhakhutte.

Die Aufregung war Krishna förmlich anzusehen. Die Schule ist ein Ort des Lernens, des Lachens und der Gemeinschaft – Dinge, die für ihn bisher in weiter Ferne lagen. Wir meldeten ihn offiziell an und übernahmen die volle Verantwortung für das Schulgeld sowie alle anfallenden Nebenkosten.

Ein besonders emotionaler Moment war es, als Krishna das erste Mal sein Klassenzimmer betreten durfte. Er durfte sich auf den Platz setzen, der ab sofort seiner sein wird. Man sah ihm an, wie stolz er war. In diesem Moment war er kein Junge in Plastikschlappen mehr, der am Rande der Gesellschaft stand, sondern ein Schüler mit einer Aufgabe und einer Zukunft.

Ein Sportanzug und das Gefühl von Zugehörigkeit

Zur Begrüßung an der Schule gab es ein besonderes Geschenk: Krishna erhielt seinen neuen Sportanzug mit dem offiziellen Schullogo. Wir ließen es uns nicht nehmen, ihn direkt anzuprobieren. Es ist faszinierend zu sehen, wie sehr Kleidung das Selbstwertgefühl verändern kann. Mit dem Logo auf der Brust gehörte er plötzlich dazu. Er strahlte über das ganze Gesicht, während er prüfend an dem Stoff zupfte. Dieser Anzug ist für ihn ein Symbol dafür, dass er es geschafft hat: Er ist nun Teil der Gemeinschaft der Siddha Ganesh School.

Maßarbeit für die Zukunft: Beim Schneider in Kathmandu

In Nepal ist die Schuluniform ein fester Bestandteil des Bildungssystems. Sie sorgt für Gleichheit unter den Schülern, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Da die Uniformen der Siddha Ganesh School passgenau sein müssen, führte uns unser Weg als Nächstes zum Schneider.

Dort wurde Krishna vermessen. Schultern, Armlänge, Beinfreiheit – alles wurde genau notiert. Es war ein fast feierlicher Akt. Für Krishna war es das erste Mal, dass Kleidung eigens für ihn angefertigt wurde. Während der Schneider das Maßband anlegte, stand Krishna kerzengerade da. Er verstand instinktiv, dass diese Uniform sein „Arbeitsanzug“ für eine bessere Welt sein würde. Ein Schulplatz für Krishna bedeutet eben auch, mit Würde und passender Kleidung am Leben teilzunehmen.

Neue Schuhe und ein praller Schulranzen

Nach dem Besuch beim Schneider stand der wohl praktischste Teil unseres Ausflugs an: der Einkauf der Ausrüstung. Die alten Plastikschlappen hatten ihren Dienst getan. Wir kauften für Krishna zwei Paar feste Schuhe – eines für den täglichen Unterricht und eines für den Sport – sowie die passenden Socken dazu.

Ein guter Schulweg beginnt mit gutem Schuhwerk. Dass er nun nicht mehr barfuß oder in rutschigen Schlappen den Weg zur Schule antreten muss, ist eine enorme Erleichterung für seine Mutter.

Zum Abschluss durfte sich Krishna einen Schulranzen aussuchen. Wir füllten ihn mit allem, was er für den Start benötigt: Hefte, Stifte, Lineale und Lernmaterialien. Als er den schweren Ranzen das erste Mal auf den Rücken schnallte, war die Verwandlung perfekt. Vor uns stand ein kleiner Junge, der bereit war, die Welt der Buchstaben und Zahlen zu erobern.