Ein einziger Raum im Herzen von Kathmandu. Hier lebt Sunita (Name geändert) gemeinsam mit ihren Eltern und vier Geschwistern. Sie teilen sich diesen Raum – einen Ort der Geborgenheit, aber auch der ständigen Enge und täglichen Herausforderung. Fünf Menschen in einem Zimmer, das ist der Alltag einer jungen Frau, die trotz sehr einfacher Verhältnisse Großes erreicht hat. Sunita ist ausgebildete Krankenschwester mit dem Fachbereich Gynäkologie. Ihre Zeugnisse sind hervorragend, ihre Noten glänzen mit Spitzenleistungen. Doch in Nepal bleibt ihr dieser berufliche Erfolg verwehrt: Sie findet einfach keine Arbeit.
Eine Freundschaft, die Hoffnung schenkt
Die Verbindung zu Sunitas Familie besteht nicht erst seit gestern. Bereits im Jahr 2023 schloss Thomas Freundschaft mit Sunitas Vater Rakesch. Aus Begegnungen auf Augenhöhe wuchs ein tiefes Vertrauen und der Wunsch, dort zu helfen, wo Hilfe ein Leben nachhaltig verändern kann. Als wir im Jahr 2026 die Familie erneut in Kathmandu besuchten, saßen wir zusammen, um gemeinsam über die Zukunft zu sprechen. Die schwierige Lage der Familie und das ungenutzte Potenzial der hochqualifizierten Sunita berührten uns zutiefst. Schnell stand die Entscheidung fest: Wir wollen versuchen, Sunita nach Deutschland zu holen. In Deutschland herrscht ein großer Bedarf an examinierten Pflegekräften, während Sunita in ihrer Heimat vergeblich nach einer Anstellung sucht. Hier bieten sich ihr echte Perspektiven im Beruf und eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.
Der erste Meilenstein: Das Sprachniveau B2
Ein solches Vorhaben lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen. Die größte und wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Integration und die berufliche Anerkennung ist die Sprache. Aus diesem Grund finanzieren Barsha und Thomas aktuell einen Intensiv-Englischkurs für Sunita in Kathmandu. Das erklärte Ziel ist das Sprachniveau B2. Jeden Tag lernt Sunita mit großem Eifer und voller Motivation, um diese erste große Hürde zu meistern. Fundierte Sprachkenntnisse sind nicht nur für die Visaerteilung entscheidend, sondern bilden auch die Basis für die tägliche Arbeit im Krankenhaus und den Austausch mit den Patienten.
Viele Hürden auf dem Weg zum Ziel
Der Weg nach Deutschland ist jedoch lang und erfordert Geduld sowie Durchhaltevermögen. Sobald Sunita das geforderte Sprachniveau erreicht hat, beginnt der bürokratische Prozess in Deutschland. Die nepalesischen Zeugnisse und Ausbildungsnachweise müssen von den zuständigen deutschen Behörden eingehend geprüft und anerkannt werden. Häufig sind zusätzliche Anpassungslehrgänge oder Kenntnisprüfungen erforderlich, damit die nepalesische Qualifikation als gleichwertig eingestuft wird. Hinzu kommen die formalen Schritte zur Visaerteilung, Arbeitserlaubnis und Wohnungssuche. Es gibt noch viele formale und organisatorische Hürden zu bewältigen, doch wir gehen diesen Weg Schritt für Schritt gemeinsam mit Sunita.

